Assetto Corsa DRM Capri Cockpit

IGuides

How To: H-Schaltung im SimRacing

Keine Kommentare

Viele Wege führen ans Ziel: SimRacing bietet die Möglichkeit, verschiedene Fahrtechniken auszuprobieren und zu erlernen, um schnell zu werden. Eine der schwierigsten ist das Fahren mit einer komplett manuellen Schaltung – auch, weil diese in modernen Rennwagen nicht mehr zum Einsatz kommt. Trotzdem kann es sich lohnen, das Fahren mit drei Pedalen zu lernen – beispielsweise für die Community Trophy auf der Road 2 SimRacing Expo 2022.

Sequenzielle Schaltungen sind aus dem Motorsport nicht mehr wegzudenken: Fast alle modernen Rennserien verwenden Schaltwippen am Lenkrad, einige wenige Ausreißer wie die australische Supercars-Serie setzen noch auf einen Schalthebel, der aber ebenfalls ein sequenzielles Getriebe bedient. Komplett manuell fahren höchstens noch historische Serien, und das schlägt sich auch im SimRacing nieder.

Viele Pedale werden mittlerweile als Zweier-Sets angeboten, die Kupplung ist oft nur noch eine Option – entsprechend viele Rigs verfügen daher nur über zwei Pedale. Besonders im Esports-Sektor macht dies auch Sinn, denn dort werden üblicherweise moderne Fahrzeuge, vor allem GT3-Autos, gefahren. Benötigt wird die Kupplung dabei höchstens noch zum Anfahren, und dazu gibt es analoge Kupplungs-Paddel am Lenkrad als Alternative.

Führt man sich den Schaltvorgang mit Kupplung und manuellem Getriebe vor Augen, wird schnell klar, weshalb er durch Schaltwippen abgelöst wurde. Der Fahrer muss die Hände nicht mehr vom Lenkrad nehmen und kann sich faktisch nicht mehr verschalten, da die Elektronik ein Überdrehen des Motors verhindert. Die klassische H-Schaltung hat also im Wesentlichen nur noch für Liebhaber von historischem Content Bedeutung. Wie genau funktioniert sie aber? SimRacing Unlimited erklärt es euch.

Hochschalten

Das Hochschalten mit manuellem Getriebe ist der verhältnismäßig einfachere Part beim Fahren mit H-Schaltung. Er funktioniert wie im normalen Straßenverkehr:

  • die Drehzahl kommt am Schaltpunkt an
  • der Fahrer geht vom Gas und drückt gleichzeitig die Kupplung
  • währenddessen wird mit dem Schalthebel der nächste Gang eingelegt
  • die Kupplung wird losgelassen, der Fahrer tritt wieder aufs Gas

Der Vorgang sollte möglichst schnell gehen, um die Unterbrechung im Vortrieb möglichst gering zu halten.

Runterschalten

Hier wird’s knifflig: Das Runterschalten im Renntempo funktioniert anders als im Straßenverkehr und unterscheidet sich zudem auch vom sequenziellen Runterschalten. Alle drei Pedale wollen nun bedient werden, obwohl nur zwei Füße zur Verfügung stehen. Folgendes passiert beim Runterschalten:

  • der Fahrer bremst (mit rechts) und lässt die Drehzahl in den richtigen Bereich fallen – nicht tief genug, dass die Hinterräder langsamer drehen wollen und das Auto instabil wird, aber nicht hoch genug, dass man beim Runterschalten überdreht
  • für den Gangwechsel drückt er nun die Kupplung, während der rechte Fuß weiter auf der Bremse steht, dessen Ferse oder Hacken gleichzeitig aber kurz aufs Gas drückt (weshalb die Technik auch Heel and Toe genannt wird), um die Drehzahl anzupassen, sodass der Übergang in den tieferen Gang gleichmäßiger passiert. Dabei muss nicht der nächsttiefere Gang eingelegt werden, auch zwei Gänge auf einmal sind möglich

Dieser Vorgang benötigt viel Koordination der Bewegungen, die gerade zu Beginn des Lernprozesses schwierig zu erreichen ist. Empfehlenswert ist daher ein langsameres Fahrzeug, in dessen Bremsphase man genug Zeit hat, die Bewegungsabläufe zu denken. Je kürzer die Zeit, die beim Runterschalten benötigt wird, beispielsweise in einem Formel-1-Fahrzeug der frühen 1990er-Jahre, desto mehr sollte der Ablauf in Fleisch und Blut übergegangen sein. Um ein Gespür für die richtige Drehzahl zu bekommen kann es hilfreich sein, sich Videos des betreffendes Autos im Einsatz anzusehen, sodass ihr euren Ohren nach Schalten könnt.

Der erste Lauf der SimRacing Community Trophy, deren Finale bei der ADAC SimRacing Expo 2022 stattfinden wird, wurde in DTM-Fahrzeugen der Saison 1992 bestritten, die ein manuelles Getriebe verwenden – wer in solchen Autos auch manuell schaltet, kann potenziell schneller unterwegs sein. Und falls sich die Esports-Szene auch in den historischen Bereich ausbreiten sollte, ist es ebenfalls von Vorteil, die Technik zu beherrschen.