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Das Autopilot-Phänomen

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„If you you no longer go for a gap that exists…” – dieses Zitat des dreimaligen Formel-1-Weltmeisters Ayrton Senna ist wohl eines der bekanntesten im SimRacing. Ob nun ernst gemeint oder als fadenscheinige Entschuldigung für das Abschießen seines Titelrivalen Alain Prost in Suzuka 1990 interpretiert – diese viele andere Aussagen der brasilianischen Legende werden auch heute noch zitiert. Ein weniger beachtetes Statement bezieht sich auf seine Pace in Monaco 1988 und die Zone des unbewussten Fahrens – die auch im SimRacing eine Rolle spielt.

Rückblick: Die Saison 1988 ist noch jung, als der F1-Zirkus in Monte Carlo halt macht. Mit dem McLaren MP4/4 haben Senna und Prost die ersten beiden Rennen in Jacarepagua und Imola gewonnen, waren dem Rest des Feldes schon früh meilenweit voraus. In Monaco legte Senna dann eine schier unglaubliche Qualifikations-Zeit hin, war satte 1,427 Sekunden schneller als Teamkollege Prost. Im Rennen stürmte der Brasilianer dann ebenfalls vorweg, hatte zeitweise 50 Sekunden Vorsprung – bis er das Auto in Portier in die Leitplanke setzte. Senna schied aus, Prost gewann.

Ein Konzentrationsfehler hatte Sennas Rennen ein Ende gesetzt. Zuvor aber war er so tief ins Geschehen versunken, dass das Auto fast automatisch fuhr. „Und plötzlich habe ich bemerkt, dass ich das Auto nicht mehr bewusst gefahren bin. Ich bin es mit einer Art Instinkt gefahren, war in einer anderen Dimension.“ Also „in the zone“, wie man es im Englischen formulieren würde.

Diese Zone spielt auch im SimRacing eine Rolle. Davon, seinen Rhythmus zu finden, ist oft die Rede, und dies lässt sich meist auch bewusst steuern, indem man entspannt an einen Stint herangeht und einfach versucht, sein Rennen zu fahren, ohne sich vom Rest des Feldes beeinflussen zu lassen. So einzutauchen, wie Senna es beschrieben hat, ist allerdings selten, und zumindest meiner Erfahrung nach nicht bewusst möglich.

Normalerweise fällt es erst auf, wenn man schon mittendrin ist – ganz so, wie Senna es auch bemerkte. Plötzlich sind die letzten Runden vergangen, ohne dass man es wirklich bemerkt, und die Rundenzeiten dann oft mehrere Zehntel schneller. Der Autopilot hat übernommen, und sobald man bemerkt, dass er aktiv ist, ist es mit dem Phänomen meist auch schon wieder vorüber.

Für mich persönlich war es spannend zu erleben, dass dies auch in „komplizierteren“ Autos passiert: Zwei Rennen im Bremgarten in Assetto Corsa mit dem Sechszylinder-Maserati 250F erforderten viel Konzentration, und trotzdem klappte irgendwann alles automatisch. Dieses Gefühl eine Einheit mit dem Fahrzeug zu bilden, ist es wohl, was SimRacer und echte Rennfahrer gleichermaßen schnell macht. Das Vertrauen ins Arbeitsgerät ermutigt den Fahrer, das Limit auszureizen. Und es zeigt: SimRacing und Motorsport sind auch in dieser Hinsicht gar nicht so unterschiedlich.