IGuides & Insights & Simulationen

Die verlorene Kunst der H-Schaltung

Keine Kommentare

Das Gefühl, in einem echten Rennwagen zu sitzen, nachzustellen, ist die Kern-Philosophie im SimRacing, und die Hardware-Fortschritte reflektieren dies mit jedem neuen Equipment, das vorgestellt wird: Besseres Force Feedback, Pedale, die im Auto nicht fehl am Platze wären – aber da moderne Rennwagen normalerweise keine manuelle Schaltung mehr haben, fehlt diese auch in vielen Sim-Rigs. Mit einer H-Schaltung zu fahren ist daher so etwas wie eine verlorene Kunst geworden.

Zumindest ist dies der Fall, wenn man sich die meisten modernen Sims und den Esport, auf den sie sich fokussieren, ansieht. Diese verwenden moderne Fahrzeuge, die Schaltwippen am Lenkrad haben, wie beispielsweise die beliebte GT3-Klasse. Manche von ihnen brauchen eine Kupplung nicht einmal mehr zum Losfahren, und für die, die sie noch verwenden, tun es auch analoge Kupplungs-Wippen am Lenkrad. Rigs mit nur zwei Pedalen sind daher keine Seltenheit mehr.

Als wahrscheinliches Resultat sind nicht allzu viele Shifter auf dem SimRacing-Markt: Fanatec, Thrustmaster oder Logitech haben sie im Angebot, einige kleinere Hersteller ebenfalls, aber die Auswahl ist kein Vergleich zu der Masse an Pedalen, um ein Beispiel zu nennen. Für Enthusiasten von Motorsport-Geschichte (inklusive des Autors) sind H-Schaltungen aber ein essenzieller Bestandteil der Erfahrung, ältere Autos so zu fahren, wie sie tatsächlich bewegt worden sind.

Während Paddles das Schalten deutlich vereinfachen und aus modernen F1-Raketen oder GT3s nicht mehr wegzudenken sind, sind sie nicht mit dem Feeling vergleichbar, ein altes Rennauto um eine Piste zu prügeln, während man drei Pedale und eine klassische Handschaltung benutzt. Man hat im Wortsinn alle Hände voll zu tun, hinzu kommt die nötige Koordination – falls man noch nie so gefahren ist, wird es eine gewisse Zeit dauern, dies zu lernen, besonders beim Runterschalten.

Das Hochschalten ist relativ simpel, den Fuß vom Gas zu nehmen, während man die Kupplung drückt und den nächsten Gang einlegt keine hohe Kunst. Drei Pedale mit zwei Füßen zu benutzen ist dabei schon schwieriger: Mit dem rechten Fuß bremsen (anstelle des linken, wie es in modernen Rennautos üblich ist), warten, dass die Drehzahl weit genug fällt, dann die Kupplung drücken und mit den Hacken das Gas berühren, um die Drehzahl für den Gangwechsel anzupassen, und dabei noch einen oder mehrere Gänge heruntergehen – es ist leicht zu erkennen, warum SimRacer die Schaltwippen bevorzugen anstatt sich in den Bremszonen mit der Heel-Toe-Technik herumzuschlagen.

Natürlich ist gerade das Herunterschalten deutlich einfacher, wenn Schaltwippen diesen Prozess überspringen. Um sich aber in ein Auto hineinzuversetzen, das diese Art der Schaltung tatsächlich hat, ist das Lernen dieses Tanzes auf den Pedalen unschlagbar. Einige moderne Sims haben viel Vintage-Content an Bord, sei es Assetto Corsa, rFactor2 oder Automobilista 2 – es ist unwahrscheinlich, dass er die Basis einer Esports-Competition formen wird, aber wenn ihr ein Einzel-Event oder eine Liga findet, wo Autos mit H-Schaltung gefahren werden, sind sie einen gründlichen Blick wert. Eine Warnung vorweg: Es kann süchtig machen.