Cockpit view of a Formula USA Gen 2 car in Automobilista 2

IGuides & Insights & Simulationen

How to: manuelle sequenzielle Schaltung

Keine Kommentare

Moderne Rennwagen verfügen über Schaltwippen an ihren Lenkrädern, um die Gänge zu wechseln, wodurch ein Kupplungspedal oft überflüssig wird. Dies ist entsprechend auch im SimRacing vorhanden. Andererseits verfügen viele historische Autos über ein manuelles Getriebe, oft H-Schaltung genannt, bei dem der Fahrer die ganze Arbeit mit drei Pedalen und dem Schalthebel erledigt. Für eine kurze Zeit gab es aber auch eine Zwischenlösung – das manuelle sequenzielle Getriebe. Doch was genau ist das, und wie wird es in einem Rennwagen eingesetzt?

SRU hat sich in einem anderen Artikel mit H-Schaltungen befasst, aber manuelle sequenzielle Getriebe werden oft übersehen. Sch ließlich sind sie genau wie Schaltwippen, aber mit einem Schaltknüppel, oder? Das stimmt nur zum Teil. Deshalb erklären wir den Mechanismus und die Dinge, die ihr wissen solltet, wenn ihr ein Auto fahren, das damit ausgestattet ist.

Während die Formel 1 schrittweise von H-Schaltungen zu Schaltwippen überging, beginnend mit Ferrari, das 1989 die ersten Schaltwippen am Lenkrad einführte, haben Sportwagen, Rallyefahrzeuge und zahlreiche andere Monoposti die Technologie nicht sofort übernommen. Die prominentesten Beispiele hierfür sind GT-Fahrzeuge und Le-Mans-Prototypen ab etwa 1995 sowie IndyCars, die etwas früher als die Langstreckenfahrzeuge mit der manuellen sequentiellen Schaltung begannen.

AMS2 Automobilista 2 Spa 1993 McLaren F1 GT Lm @SimRacing Unlimited

Die Autos hatten zwar immer noch einen Schalthebel, aber statt der Schaltkulisse mit mehreren Wegen, in denen der Hebel den Gang wählen kann, gibt es nur noch zwei Richtungen – zum Hochschalten wird der Hebel nach hinten gezogen, zum Herunterschalten wird er nach vorne gedrückt. Die Kupplung wird nur beim Anfahren benötigt, beim Hoch- und Runterschalten tritt sie automatisch ein.

Ganz so einfach ist es allerdings nicht: Während Schaltwippen in der Regel über ein Auto-Blip-System verfügen, beim Herunterschalten also ohne Zwischengas auskommen, wie es bei einem rein manuellen Getriebe nötig ist, muss der Fahrer beim manuellen sequentiellen Schalten das Gaspedal beim Runterschalten betätigen, um das Heck des Fahrzeugs zu stabilisieren – eine wichtige Technik, die beim Fahren von GT1- oder CART-Fahrzeugen oft übersehen wird, was zu instabilen Fahrzeugen in Bremszonen und sogar zu Drehern führt.

Der Grund dafür ist derselbe wie bei H-Schaltungen: Beim Bremsen beginnt die Motordrehzahl zu sinken, und nach dem Herunterschalten steigt sie wieder an, während die Hinterachse noch langsamer dreht. Das bedeutet, dass der Motor die Achse wieder beschleunigt, wodurch sie instabil wird. Wenn der Fahrer das Gaspedal betätigt, erhöht er die Drehzahl während die Kupplung greift, wodurch dieser Geschwindigkeitsunterschied verringert oder ganz beseitigt wird, was zu einem ruhigeren Fahrverhalten führt. Das richtige Timing mag anfangs schwierig erscheinen, lässt sich aber relativ schnell erlernen.

Daher können manuelle sequenzielle Schaltvorrichtungen als Zwischenlösung zwischen Schaltwippen und einem Schaltgetriebe angesehen werden. Das Gasgeben beim Herunterschalten als Technik im Hinterkopf kann zu einem wesentlich angenehmeren Fahrerlebnis und damit zu schnelleren Rundenzeiten sowie zu einer höheren Konstanz führen. Um euch ein Beispiel zu zeigen, haben wir ein Onboard-Video von Juan Pablo Montoya beim CART-Rennen in Laguna Seca 1999 eingebettet. Wenn ihr auf den Motor-Sound achtet, werden ihr hören, dass die Drehzahl beim Herunterschalten deutlich ansteigt, weil der Kolumbianer das Gaspedal benutzt, um die Drehzahl anzupassen.