Demonstration of a training exercise at a fitness course for SimRacers at ADAC Südbayern

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Konzentrations-Vorteil: Darum hilft Fitness im SimRacing

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Fitness ist im Motorsport unabdingbar, spätestens seit der Formel-1-Legenden Ayrton Senna und Michael Schumacher ist dies jedem klar. Im Esports-Bereich und damit auch im SimRacing ist die körperliche Verfassung derweil nicht so wichtig, könnte man nun meinen – und läge damit komplett daneben. Denn eine gewisse Sportlichkeit hat auch im virtuellen Wettbewerb seine Vorteile.

„Es hält sich immer noch das Klischee in der Bevölkerung, dass Esportler übergewichtig sind, sich schlecht ernähren, kaum bewegen und nur vorm Bildschirm im Dunkeln sitzen“, sagt Pascal Zeller. Der studierte Sportwissenschaftler ist in der Sportentwicklung des ADAC Südbayern tätig und weiß: „Es ist nicht so, gerade wenn es in Richtung des professionellen Esport geht.“

Studien, bei denen unter anderem der bekannte Sportwissenschaftler Ingo Froböse mitgewirkt hat, unterstreichen dies. „Da sind die Leute schon fit. Der BMI ist nicht überdurchschnittlich hoch, sie bewegen sich ausreichend“, betont Zeller. Probleme gebe es trotzdem, „vor allem Schlafmangel und hoher Medienkonsum“, so Zeller. Und: „Die Ernährungsgewohnheiten unterscheiden sich nicht von der Durchschnittsbevölkerung – was insgesamt eher negativ ist, da sich die Durchschnittsbevölkerung eher schlechter ernährt.“

Fitness für den Kopf

Die Vorteile von körperlicher Fitness kommen allerdings auch langsam im Esports-Bewusstsein an. Jüngst hat der ADAC gemeinsam mit dem DMSB einen Lehrgang zum Thema Fitness im SimRacing-Bereich in München abgehalten – den ersten seiner Art. „SimRacing ist mir schon länger ein Begriff. Esports ist mir schon im Studium begegnet, SimRacing dann mit Beginn meiner Tätigkeit beim ADAC“, blickt Zeller zurück. Der Lehrgang sei der erste Kontaktpunkt mit SimRacern gewesen.

Der Kern der Veranstaltung: die richtige Ernährung, Konzentrationsübungen, sowie die Vorteile von sportlicher Betätigung. Zeller erklärt: „Wenn man sich bewegt und Sport treibt, wirkt sich das vielfältig auf den Köper aus, nicht nur auf den Bewegungsapparat, sondern auch auf das Gehirn. Die neuronale Leitfähigkeit wird beispielsweise verbessert.“ Das Resultat: potenziell kürzere Reaktionszeiten. „Grundsätzlich ist es so, dass vieles im Esport im Kopf passiert, aber man muss sich schon ein bisschen bewegen“, so Zeller.

SimRacing nimmt dabei eine Sonderstellung ein: Im Vergleich zum „klassischen“ Esport ist die Disziplin mit mehr Bewegung verbunden, Lenkrad und Pedale wollen bewegt werden – Hände und Füße sind also stets gefordert. „Außerdem ist man generell angespannt. Wenn man etwas dafür tut, gerade im Rücken- und Nackenbereich, hilft es auch, die Leistungsfähigkeit über längere Distanzen hinweg hochzuhalten“, weiß Zeller.

Diese Distanzen sind ein weiterer Punkt, in dem sich SimRacing von anderen Esports-Disziplinen unterscheidet: In Rennen mit kompletten Stints sind diese meist rund 60 Minuten lang, kleine Unterbrechungen wie beispielsweise alle paar Minuten zwischen Runden in Counter Strike gibt es nur selten. „Konzentration ist nicht unbegrenzt vorhanden, kleinere Pausen sind für das Gehirn unabdingbar“, betont Zeller. Zwischen 60 und 90 Minuten kann sich ein Erwachsener am Stück konzentrieren, „dann baut die Aufmerksamkeit ab“, so Zeller. „Und gerade beim SimRacing muss sie die ganze Zeit hoch sein, sonst macht man Fehler.“

„Jede Menge Möglichkeiten“

Und dort kommt die Fitness ins Spiel. Einfach gesagt ist: Wer fitter ist, kann sich länger konzentrieren. Um diese aufzubauen oder zu behalten, muss dabei nicht unbedingt der Gang ins Fitness-Studio sein, auch ein Personal Trainer oder ähnliches ist nicht nötig. „Es gibt jede Menge Möglichkeiten“, weiß Zeller. „Wenn man sich nicht auskennt, ist es am einfachsten, über das Internet, beispielsweise YouTube, zu gehen.“ Dort gibt es Tutorials für einfache Fitnessübungen, „ein Beispiel ist funktionales Training, was sehr gut und einfach zu Hause zu machen ist. Man trainiert hauptsächlich mit dem eigenen Körpergewicht“, erklärt Zeller. Auch für die Konzentration gibt es Übungen: „Man kann viel mit Bällen machen, sie hochwerfen, wieder auffangen, auch überkreuz“, so Zeller.

Weit entfernt vom herkömmlichen Sport sind diese Übungen nicht. „Man kann sich in Sachen Sport und gesunder Ernährung an die allgemeinen Empfehlungen halten, „sagt Zeller. „Das gehört alles dazu und wirkt sich mittel- und langfristig auf die Leistung aus.“ Auch in dieser Hinsicht gilt also: SimRacing ist näher am echten Motorsport, als man manchmal glaubt.