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Meinung: Raceroom hat viel ungenutztes Potenzial

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Über zu wenig Auswahl können sich SimRacer nicht beschweren: Jede Sim hat ihre Stärken und Schwächen, unterm Strich ist für jeden etwas dabei. Raceroom ist nur ein Beispiel für einen Vertreter mit einer großen Breite an Content – trotzdem hat es gedauert, bis es zwischen SRU-Redakteur Yannik Haustein und der Sim stimmte.

Manchmal brauchen die Dinge eben Zeit – so auch in meinem Fall mit Raceroom. Immer wieder mal war mir die Sim begegnet, überzeugt hatte sie mich allerdings nicht. Eigentlich komisch, verfügt RR doch über eine große Auswahl an Fahrzeugen inklusive historischer Autos, was ich grundsätzlich zu schätzen weiß. Über das Bezahlmodell gehen die Meinungen auseinander, letztlich ermöglicht es aber auch, nur den Content zu bezahlen, den man wirklich haben möchte, zumal die Sim Free-to-Play ist.

Durch die Eindrücke von Esports-Serien wie der CUPRA SimRacing Series 2021, über die ich bei SimRacing Unlimited berichtet habe, oder der ADAC GT Masters eSports Championship wuchs die Neugier zuletzt aber doch noch einmal, auch das jüngst erschienene DTM-Pack trug dazu bei. Außerdem ist Ende April ein Besuch beim Saisonauftakt der ADAC GT Masters in Oschersleben geplant – da könnte man die Sim, die die Serie offiziell an Bord hat, doch noch einmal genauer ins Auge fassen.

Endete der letzte Versuch im vergangenen Herbst noch mit „ganz gut, aber nicht mein Favorit“ als Fazit, hat mich Raceroom nun aber überrascht. Zugegeben, beim jüngsten Anlauf war ich ausschließlich in GT3-Fahrzeugen unterwegs, aber die machten einen Heidenspaß – und fühlten sich änhlich gut an wie in Assetto Corsa Competizione. Rennen in Oschersleben, Spa oder auf der Nordschleife machten definitiv Lust auf mehr, zumal Raceroom zu den Sims mit dem besten Sound zählt, was den Zehnzylinder im Audi R8 LMS GT3 Evo mit noch mehr Gänsehaut-Faktor versieht als in anderen Sims.

Allerdings hat der erneute Anlauf in Raceroom auch gezeigt: Es steckt viel Potenzial in der Sim, das nicht genutzt wird – oder werden kann. Die Engine läuft auf DirectX 9, ist in dieser Hinsicht also nicht Up-to-Date. Man sollte meinen, die Performance sei dadurch kein Problem, aber da DX9 mit moderner Prozessor-Architektur nicht optimal zurechtkommt, kann es trotzdem zu FPS-Schwankungen kommen – schade eigentlich, denn schlecht sieht Raceroom trotz älterer Technik unter der Haube nicht aus.

Ebenfalls fehlen Tag/Nacht-Wechsel sowie Regen unter den Wetterbedingungen, wohl eine Limitierung der Engine, wie online häufig zu lesen ist. Gerade für Langstrecken-Rennen ist dies eine Lücke – zumal Fahrerwechsel ebenfalls nicht möglich sind. Für Wettbewerbe mit Einzelfahrern ist dies in Sachen Esport kein Problem, Team-Events können in Raceroom dadurch aber nicht gefahren werden.

Positiv erwähnt sei derweil das Force Feedback: Im Sommer 2021 wurde diese Komponente komplett ausgetauscht, ein gänzlich neu entwickeltes System kommt seither zum Einsatz. Es gibt dem Fahrer ein gutes Gefühl darüber, wie sich sein Fahrzeug verhält, wo er das Limit erreicht oder überschreitet und trägt zu einem guten Fahrerlebnis bei. Dass Einstellungs-Empfehlungen für die verschiedenen FFB-Parameter direkt im Menü vorhanden sind, ist ein netter Bonus, der die Einrichtung deutlich erleichtert.

Unterm Strich bleibt das Gefühl, regelmäßiger in Raceroom vorbeischauen zu sollen. Für einige Rennen ist die Sim definitiv zu empfehlen, auch die Competitions bieten immer wieder neues, genau wie die Ranked-Rennen. Trotzdem bleibt auch die Hoffnung, dass wichtige Elemente wie Wetter und dynamische Tageszeiten oder Fahrerwechsel irgendwann nachgeliefert werden. Man darf schließlich träumen.