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Karriere-Retter SimRacing: Marchewicz' Weg zum GT-Fahrer
29.04.2022
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user-iconYannik Haustein
© Schnitzlelam Racing
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Der Sprung aus dem Kart in höhere Klassen des Motorsports bleibt nur wenigen vorbehalten – ohne die richtigen Kontakte und Sponsoren wird die Disziplin schnell unbezahlbar. SimRacing eröffnet allerdings zusätzliche Wege und war auch ein Schlüssel in der Karriere von Marcel Marchewicz von Schnitzelalm Racing.

Wie viele Nachwuchs-Motorsportler hatte der heute 26-Jährige seine Karriere im Kart begonnen. „Ich wollte natürlich immer in den Automobilbereich, aber Motorsport ist teuer – du brauchst Budget und Sponsoren“, erzählt Marchewicz, der nach seiner Kart-Karriere sogar „ein, zwei Jahre gar nicht gefahren“ ist. Bis dann der virtuelle Motorsport zum entscheidenden Sprungbrett wurde: 2017 nahm er am „Super Racer“ Scouting von upracer in Raceroom Teil, holte sich dort den zweiten Platz. „Da durfte ich schon ein paar Rennen in der KTM X-Bow Rookie Challenge fahren“, so Marchewicz. Ein Jahr später folgte dann der Sprung auf die oberste Stufe des Treppchens. Der Sprung ins echte Rennauto sei mit „zitternden Knien“ verbunden gewesen, „ich wusste: wenn ich da einen Unfall baue, habe ich keine Escape-Taste“, so Marchewicz. Dass er sich aber schnell wohl fühlte, zeigte das Ergebnis.

Das bedeutete eine komplette Saison im KTM, und dabei stellte Marchewicz sein Talent erneut unter Beweis, holte sich den Titel. „Dabei habe ich auch den Thomas richtig kennengelernt“, so der Schnitzelalm-Pilot. Gemeint ist Teamchef Thomas Angerer, den Marchewicz auch schon von der Kart-Piste kannte, „aber der Kontakt wurde dann intensiver.“ Angerer gründete das Schnitzelalm-Team, Marchewicz war an Bord – und musste sich gleich auf der Nürburgring-Nordschleife bewähren.

Schnitzelalm Racing Oschersleben GT4 Germany Marcel Marchewicz @Schnitzelalm Racing

Erfolge auf der Nordschleife

Denn: Das Team ging in der Nürburgring-Langstrecken-Serie an den Start, schickte dort einen BMW M240i Cup ins Rennen. Mit Erfolg: 2020 gab’s durch konstant gute Finishes den Klassen-Titel und den Klassensieg im 24-Stunden-Rennen, „2021 haben wir mit dem GT4 auch alles auf der Nordschleife gewonnen“, blickt Marchewicz zurück, der verschiedene andere Funktionen im Team erfüllt und auch andere Fahrer coacht. Der nächste Schritt: die GT4 Germany.

Dort ist Marchewicz mit Teamkollege Robin Falkenbach in einem Mercedes-AMG GT4 am Start, auch im GT3 hat der gebürtige Schwetzinger bereits gesessen. „Mit dem fahren wir immer noch auf der Nordschleife, aber da war 2022 noch nicht viel los. In NLS1 bin ich mit dem Auto abgeflogen – zwar unverschuldet, aber es ist trotzdem blöd“, berichtet Marchewicz. Im GT4 lief es derweil besser: Schon 2021 war Schnitzelalm Racing als Gaststarter am Nürburgring in der DTM Trophy dabei – und Marchewicz holte sich direkt den Sieg. Zum Saisonauftakt der GT4 Germany in Oschersleben 2022 war mit den Plätzen sieben und zwölf aber noch Luft nach oben.

Schnitzelalm Racing Oschersleben GT4 Germany @Schnitzelalm Racing

Während SimRacing die Initialzündung für Marchewicz‘ Karriere war, begleitet ihn die digitale Seite des Motorsports auch weiterhin – nicht zuletzt dank der Corona-Pandemie. „Als die anfing, haben wir im Team überlegt, was wir machen können. Rumsitzen wollten wir nicht. Dann kam die DNLS in iRacing zustande, und wir haben gesagt: Das ist cool, da machen wir mit“, erzählt Marchewicz. „Vor allem, weil es sehr professionell aufgebaut wurde mit guten Kommentatoren und guten Livestreams.“ Außerdem stehen im Schnitzelalm-Hauptquartier in Niederzissen zwei Simulatoren, „die Fahrer trainieren damit vor den Rennen viel“, so Marchewicz.

DNLS-Rennen in der Boxengasse

Überschneidungen mit Terminen auf der echten Rennstrecke hielten den 26-Jährigen übrigens nicht davon ab, in der DNLS zu fahren. Marchewicz berichtet: „Über den Winter waren wir mehrmals in Spanien und Portugal für Tests mit dem GT4 und haben immer einen Simulator mit an die Strecke genommen. Da bin ich teilweise die Rennen in der Box gefahren – die anderen sind alle draußen am Testen gewesen und ich sitze im Simulator und fahre mein Rennen“, muss Marchewicz schmunzeln. „Aber es war trotzdem cool. Mittlerweile ist aber wieder so viel Trubel bei uns, dass wir dafür leider nicht mehr so viel Zeit haben.“

Schnitzelalm Racing Oschersleben GT4 Germany @Schnitzelalm Racing

Für die Vorbereitung ist SimRacing aber immer noch wichtig – „du kannst die Gefühle natürlich nicht eins zu eins übertragen, aber wenn es eine gute Simulation ist, hast du trotzdem deine Brems- und Anhaltspunkte, die du fixieren kannst. Das heißt, du fährst beim Test nicht raus und guckst erstmal, wo es langgeht, sondern bist nach ein paar Runden schon schnell.“ Im Falle von Oschersleben wurde in Assetto Corsa trainiert, normalerweise fahren die Schnitzelalm-Piloten aber eher iRacing – dort ist die Motorsport-Arena allerdings nicht verfügbar.

Das Schnitzelalm-Team bietet dabei ein sehr familiäres Umfeld. „Viele sind ja schon beim Kartfahren dabei gewesen. Für sie ist das alles nicht nur Arbeit, sondern auch Leidenschaft“, erklärt Marchewicz. „Entsprechend hocken wir viel aufeinander, das funktioniert bei uns wahrscheinlich besser als bei den meisten“, so der GT-Pilot, der lachend anfügt: „Manchmal brauchst du aber auch etwas Abstand, das ist klar.“

Im Mai wartet Österreich

Der nächste Einsatz für Marchewicz und Schnitzelalm Racing steht vom 20. bis 22. Mai an – dann gastiert die GT4 Germany im Rahmen des ADAC GT Masters am Red Bull Ring in Österreich. Die Rennen könnt ihr im Livestream auf der Website der GT4-Germany-Serie oder bei sport.de sehen und Marchewicz und dem Schnitzelalm-Team die Daumen drücken.

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