F-Ultimate Gen 2 cars of Automobilista 2 racing at Spa-Francorchamps

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Stirbt Singleplayer-SimRacing aus?

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Die weit verbreitete Integration von Online-Modi hat die Gaming-Landschaft verändert, und SimRacing ist keine Ausnahme. Was früher in erster Linie eine Einzelspieler-Disziplin war, hat sich fast vollständig zum Online-Multiplayer verlagert – was die Frage aufwirft: Stirbt das Einzelspieler-SimRacing aus?

Es ist noch nicht allzu lange her, dass SimRacer ihre Karriere offline begannen – in den meisten Fällen gab es einfach keine andere Wahl. Konsolen hatten zwar schon Anfang der 2000er Jahre eine Internet-Funktionalität, aber der Online-Multiplayer kam erst mit der Veröffentlichung der Xbox 360 und der PlayStation 3 in den Jahren 2005 und 2006 richtig in Fahrt. Auf dem PC war dies anders, da die Online-Modi schon etwas früher Einzug hielten, allerdings meist in anderen Genres.

Daher haben viele ältere SimRacer ihre ersten Jahre damit verbracht, gegen die KI anzutreten, sei es auf Konsolen in Gran Turismo oder den damaligen Formel-1-Spielen oder in der Grand-Prix-Serie von Geoff Crammond – diese Titel waren ihrer Zeit voraus, und Grand Prix 4 hat immer noch eine engagierte Community, die bis heute aktuelle Auto- und Streckensets entwickelt. Eine gute KI-Implementierung war damals von entscheidender Bedeutung, da die Sims sonst nicht viel zu bieten gehabt hätten.

Ältere Titel halten immer noch mit

Interessanterweise sind zahlreiche Elemente, die damals in Titeln zu finden waren, heute eine Seltenheit. Grand Prix 4 hatte zufällige mechanische Defekte (die auch den Spieler betrafen), ein Wettersystem, das auch heute noch überzeugen kann, und sogar Streckenposten, die auf verunglückte Autos zuliefen und sie von der Strecke schoben, wo sie von unsichtbaren Kränen über die Leitplanken gehoben wurden. Auch die KI verfügte über eine gute Renn-Etikette und zeigte ein Verhalten, das man bei den KI-Gegnern moderner Sims nur noch selten findet – wenn sie überhaupt welche haben.

In den letzten Jahren haben einige Titel versucht, dedizierte Einzelspielermodi prominent zu implementieren: Project Cars und Project Cars 2 enthielten beide einen großen Karrieremodus, in dem der Spieler die Ränge der Motorsport-Welt erklimmen musste, aber beide Teile der Serie litten unter unvorhersehbaren KI-Leistungen und manchmal erratischem Verhalten.

Automobilista 2 wird versuchen, diese verpasste Gelegenheit zu korrigieren, hat Pläne für einen Karrieremodus, der die zahlreichen verschiedenen Klassen der Simulation in einem großen Einzelspielermodus zusammenführt. Das Potenzial für Entwickler Reiza Studios ist in dieser Hinsicht enorm: Die Palette der Inhalte in AMS2 reicht von Retro-Autos und -Strecken bis hin zu modernen Locations und Fahrzeugen – und allem, was dazwischen liegt. Das Real-Weather-System macht es möglich, Rennen mit den korrekten Wetterbedingungen für die Daten der realen Events nachzustellen, was die Sache noch immersiver macht – zumal die KI-Fahrer über editierbare Textdateien anpassbar sind, so dass man nicht nur echte Namen, sondern auch Stärken und Schwächen hinzufügen kann. Die von der Community erstellten Skin-Packs mit echten Lackierungen für die Autos knüpfen daran an und vertiefen die Immersion noch.

Nicht vergessen: Der F1-Karriere-Modus

Natürlich darf in diesem Zusammenhang auch die F1-Serie nicht unerwähnt bleiben: Seit Codemasters mit F1 2010 den Stein ins Rollen gebracht hat, ist der Karrieremodus eines der Hauptmerkmale ihrer Titel, und für den neuesten Eintrag F1 22 wurde er überarbeitet. Die Online-Modi kommen nicht annähernd an das Gefühl heran, in einem echten Grand Prix zu fahren, wie es die Karriere und andere Einzelspielermodi tun. Einzelspieler-Rennen sind in der virtuellen Darstellung der Königsklasse des Motorsports lebendig und gut.

Es ist jedoch unbestreitbar, dass diese Fälle die Ausnahme sind. Zwar hat selbst iRacing mittlerweile eine KI für einige Fahrzeug- und Streckenkombinationen implementiert, aber die Simulation konzentriert sich bekanntermaßen stark auf den Online-Wettbewerb. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Ein Rennen gegen echte menschliche Gegner wird sich immer mehr wie ein echtes Rennen anfühlen, und der Drang zum Wettbewerb ist bei den meisten Rennfahrern, ob virtuell oder echt, offensichtlich. Teamwork ist ein weiteres wichtiges Element, da Ausdauerrennen immer beliebter werden – ein Rennen, das zwischen 6 und 24 Stunden dauert, mit Freunden zu bestreiten, ist für die meisten wahrscheinlich interessanter als alleine zu fahren.

Dennoch sind die richtigen Offline-Spielmodi ein wichtiger Bestandteil von SimRacing. Manchmal geht es nicht nur um den Wettbewerb, sondern vielmehr darum, in die Welt des Rennsports oder in historische Szenarien einzutauchen. Assetto Corsa kann dafür ein guter Simulator sein, und auch Automobilista 2 macht dies hervorragend und enthält bereits zufällige KI-Fehler sowie gute Renntechnik für die computergesteuerten Gegner. Assetto Corsa Competizione enthält ebenfalls eine anständige KI, obwohl der Karrieremodus generell nicht häufig empfohlen wird, da er sich stellenweise halbherzig anfühlt.

Man könnte zwar argumentieren, dass das Einzelspieler-SimRacing im Vergleich zu vor 15 bis 20 Jahren tot ist, aber das wäre eine große Übertreibung. Es gibt immer noch jede Menge zu tun, wenn ihr euch nicht für Online-Rennen entscheidet – haltet die Augen offen für eine Liste von Einzelspieler-Optionen hier auf SRU, die bald veröffentlicht wird. Habt bis dahin viel Spaß auf der Strecke, egal welchen Modus ihr wählt – schließlich ist es das, worum es bei SimRacing gehen sollte. Und das ist der Grund, weshalb Singleplayer-SimRacing wohl nie sterben wird.