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Der Start in die iRacing-Karriere: Stock Cars im Oval

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iRacing gilt als der Gold-Standard für kompetitives SimRacing. Keine andere Simulation verfügt über ein vergleichbar gutes Multiplayer-System, das die Rennen eher wie echte Veranstaltungen behandelt. SimRacing Unlimited-Redakteur Yannik Haustein macht nun seine längst überfälligen ersten Schritte in der Sim und nimmt euch mit auf die Reise – dieses Mal geht dreht sich alles um Racing auf Ovalen.

Linkskurve um Linkskurve – im Prinzip klingen Ovalrennen ganz einfach. Dass mehr dahintersteckt als Vollgas und Im-Kreis-Fahren ist Laien oft nicht bekannt, als großer IndyCar-Fan kenne ich diese Art von Strecken allerdings schon eine Weile. Ernsthaft gefahren bin ich im Oval noch nie – und da gemeinsam mit einem Freund die Idee aufkeimte, beim Indy 500 in iRacing im Mai an den Start zu gehen, war es an der Zeit, sich die Disziplin einmal genauer anzusehen. Immerhin braucht es für das Special Event eine Oval-C-Lizenz.

Zu Beginn meiner iRacing-Zeit hatte ich es mal mit ein, zwei Ovalrennen im USF2000-Fahrzeug versucht, dessen Serie aber zur Road-Lizenz zählte. Außerdem hatte ich Offline mehrmals IndyCars in rFactor und Automobilista gegen KI um die Superspeedways gejagt, online sollte es aber ein kompletter Neuanfang werden, und der führte mich zunächst zu den Street-Stock-Fahrzeugen und kurzen Strecken, so genannten Short Tracks. Sich die Streckenführung einzuprägen ist auf ihnen wie auf anderen Ovalkursen kein Problem, die schnellste Linie durch die Kurven zu finden und sie Runde um Runde zu treffen ist wiederum eine völlig andere Wissenschaft.

Short Tracks lassen sich am besten als sehr kurze „normale“ Rundkurse mit wenigen Kurven betrachten, auch mit der Bremse muss auf ihnen gearbeitet werden. Auch ein Rhythmus ist potenziell noch wichtiger als auf anderen Pisten – genau wie gegenseitiger Respekt und Kooperation mit den anderen Fahrern. Dies wurde selbst in der Street-Stock-Serie deutlich – wer anderen keinen Platz lässt oder Lücken sucht, die kaum mehr da sind, endet schneller an der Mauer, als ihm lieb ist, und ruiniert meist auch das Rennen unbeteiligter Fahrer.

Große Erfolge stellten sich nicht ein, aber der Fokus auf möglichst saubere Rennen zahlte sich schnell aus: Der Sprung aus der Rookie-Klasse zur D-Lizenz dauerte nur wenige Rennen, darunter auch ein NASCAR-Truck-Rennen in Charlotte. Auf dem 1,5-Meilen-Oval ging es schon deutlich schneller zur Sache, entsprechend größer fielen aber auch die Zwischenfälle aus – direkt nach dem Start bereits abgeräumt zu werden und den Rest des Rennens im Niemandsland hinterherzufahren ist wenig motivierend, wie ich feststellen durfte. Durch die Unberechenbarkeit dieser Art von Rennen lohnt es sich aber grundsätzlich weiterzufahren.

Im D-Lizenz-Bereich reichte dann nicht mehr ausschließlich der Gratis-Content, der im Rookie-Bereich noch zur Verfügung stand. Der nächste Schritt war ein ARCA-Fahrzeug, die Serie gastierte auf dem Phoenix International Raceway – während das Auto gekauft werden musste, war die Legacy-Version von Phoenix weiterhin gratis. Die Strecke ist zwar länger als die Short Tracks, gehört aber immer noch zu den kürzeren Ovalen, verfügt zudem über wenig Banking in den Kurven. Entsprechend ist es mit den ARCA-Stock-Cars in Phoenix nicht leicht gewesen, Anschluss zu finden. Trotzdem fand ich mich meist im vorderen Mittelfeld wieder, wenn keine Unfälle dazwischenkamen.

Der Fortschritt in der D-Klasse war ebenfalls schnell, aber etwas langsamer als in den Rookies. Die iRacing-Season befand sich allerdings bereits in Woche 12 – um die Promotion zur C-Klasse einzutüten, musste also noch etwas Safety Rating her, bevor die Saison endete und deutlich mehr SR für eine direkte Promotion nötig geworden wäre. Wie sich herausstellte, vergehen ganze Samstagnachmittage mit Oval-Rennen recht schnell – dafür sind nun aber alle Kriterien erfüllt, um eine C-Lizenz zu bekommen, sobald Season 2 in den Startlöchern steht.

In dieser Klasse kommen dann auch erstmals Oval-Regeln wie Full Course Yellows ins Spiel, die die Disziplin noch spannender machen – entsprechend dürft ihr euch auch in Zukunft auf weitere Serien-Teile aus dem Oval freuen. Der nächste Eintrag im Kalender ist jedoch das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring vom 8. bis 10. April – erst einmal dürfte also die Nordschleife Vorrang genießen. Danach gilt die Konzentration aber voll dem Indy 500 – ein echtes Highlight im Special-Events-Kalender.

Notizen

  • Oval ist nicht gleich Oval – das merkt jeder, der sich näher mit den Strecken auseinandersetzt, sofort. Dieses Wissen bereits im Vorfeld zu haben, hat mir ungemein geholfen, vor allem die Trainings-Sessions nicht zu unterschätzen und sie zu nutzen. Selbst Ovale mit der gleichen Form unterscheiden sich durch Bodenwellen, die besonders am Kurvenausgang für Schwierigkeiten sorgen können.
  • Spotter sind unerlässlich, und der in Crew Chief integrierte macht seinen Job hervorragend. Nirgends ist es so wichtig zu wissen, was um das eigene Auto herum passiert, wie im Oval mit potenziell enormen Geschwindigkeiten, speziell in höheren Klassen.
  • Stock Cars machen mehr Spaß, als ich dachte: Das Klischee, dass diese Fahrzeuge einfach zu fahren wären, sollte schnell begraben werden. Durch das hohe Gewicht und kaum aerodynamischem Abtrieb sind Stock Cars sehr speziell und erfordern nicht die Präzision eines IndyCars, dafür aber das Wissen, wie man sie mit Gas und Bremse um die Kurven steuert.